Breite Wege und verwinkelte Pfade: das duale Bildungssystem der Schweiz - Weiterbildung Zofingen

Breite Wege und verwinkelte Pfade: das duale Bildungssystem der Schweiz

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Menschen, 9. Mai 2023, Isabel Matter

Das Bildungssystem der Schweiz ist einmalig. Es wird international bewundert und nachgeahmt. Warum? Eine qualitativ hochwertige duale Berufsbildung und die hohe Durchlässigkeit des Systems machen die Gretchenfrage «Studium oder Lehre?» überflüssig. Ganz unterschiedliche Wege führen im Schweizer System zu einem Bildungsziel. Die einen erreichen das Ziel auf breiten, geraden Schnellstrassen; andere wählen verwinkelte, kurvenreiche Pfade. Es gibt so viele Möglichkeiten, dass man im Bildungsdschungel leicht den Überblick verliert.

Dieser Blog bietet dir Orientierung an. Ich zeige dir, welche Möglichkeiten in der Schweizer Bildungslandschaft offenstehen und welche Vorteile sie haben.

Die Schule geschafft! Was nun?

Schulabgänger/-innen in der Schweiz entscheiden sich nach Abschluss der obligatorischen Schule für eine Anschlusslösung auf Sekundarstufe II. Sie treten entweder in eine allgemeinbildende Schule (gymnasiale Maturität, Fachmittelschule) ein oder sie absolvieren eine duale berufliche Grundbildung mit oder ohne Berufsmaturität.  «Dual» bedeutet, dass Theorie (in der Schule) und Praxis (im Lehrbetrieb) kombiniert werden.

Lebenslanges Lernen für alle

Je nach Abschluss auf der Sekundarstufe II ergeben sich drei klassische Bildungswege auf der tertiären Stufe wie in diesem Beispiel:

  1. Peter absolviert eine KV-Lehre, die er mit dem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis abschliesst. Damit hat er Zugang zur höheren Berufsbildung und entscheidet sich für die Höhere Fachschule für Wirtschaft.
  2. Auch Claudia macht eine kaufmännische Lehre. Sie schliesst zusätzlich mit der Berufsmaturität ab. Ein eidgenössisches Fähigkeitszeugnis plus Berufsmaturität qualifiziert sie für ein Studium an der Fachhochschule.
  3. Mirjam geht nach der Schule an die Kanti. Die gymnasiale Maturität ermöglicht den prüfungsfreien Zugang zum Studium an der Universität.

Hier zeigt sich ein erster grosser Vorteil des schweizerischen Bildungssystems: Es gibt ein breites Angebot an attraktiven und lukrativen Weiterbildungen für ALLE Absolventen und Absolventinnen einer Grundbildung auf Sekundarstufe II. Lebenslanges Lernen ist also für alle möglich.

Wer aber hat die besten Chancen, den Job zu bekommen? Selbstverständlich lässt sich diese Frage nicht pauschal beantworten. Mirjam bringt eine solide Grundbildung mit; sie absolviert eine anspruchsvolle akademische Ausbildung auf hohem Abstraktionsniveau. Im Vergleich zu Peter und Claudia bringt sie aber wenig (oder keine) Arbeitserfahrung mit. Peters Ausbildung orientiert sich stark an den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes. Theorie und Praxis sind eng verknüpft. Das erlernte Wissen kann unmittelbar in der Praxis umgesetzt werden. Claudias Ausbildung ist irgendwo dazwischen einzuordnen.

Wir können also ein erstes Fazit zum Schweizer System ziehen: Es führen verschiedene Wege zum Ziel. Diese Wege sind nicht besser oder schlechter, sie sind einfach anders.

Es ist nie zu spät dank hoher Durchlässigkeit

Die meisten von uns sind mit den klassischen Bildungspfaden vertraut. Uns ist auch bekannt, dass unser System «durchlässig» ist. Was das aber konkret bedeutet, wissen viele nicht. Lass es mich an einem Beispiel veranschaulichen:

Stell dir einen Hörsaal an der Uni vor. Laurin hat nach Abschluss der obligatorischen Schule das Gymnasium besucht und mit der gymnasialen Maturität abgeschlossen. Anschliessend schrieb er sich für ein Bachelorstudium an der Universität ein. Er betritt den Hörsaal mit einem ambitionierten Ziel: Er möchte einen Master of Science in Business Administration erwerben.

In den meisten anderen Ländern und in der Schweiz vor zwanzig Jahren wären alle Kommilitoninnen und Kommilitonen von Laurin auf dem gleichen Bildungsweg in diesen Hörsaal gelangt – weil es keinen anderen gab.

Heute sitzen Lea, Blearta und Antonio neben Laurin im Hörsaal. Sie haben das gleiche ambitionierte Ziel wie er. Um es zu erreichen, haben sie aber einen anderen Weg gewählt:

Lea trat nach ihrem Schulabschluss eine Lehrstelle bei der Bank an. Sie schloss ihre Ausbildung mit dem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) und der Berufsmaturität ab. An der Fachhochschule absolvierte sie anschliessend einen Bachelor in Business Administration. Um zum Masterstudium an der Universität zugelassen zu werden, muss Lea gewisse Auflagen erfüllen, schafft sie diese, steht ihrem universitären Masterstudium nichts mehr im Weg.

Antonio absolvierte nach der Schule eine Lehre als kaufmännischer Angestellter und schloss diese mit dem EFZ ab. Nach seinem Abschluss bildete er sich weiter und absolvierte die Höhere Fachschule für Wirtschaft. Dank seines HF-Diploms kann Antonio auch ohne Berufsmaturitätsabschluss in den Bachelorstudiengang an der Fachhochschule einsteigen. Anschliessend wechselt er analog zu Lea mit Auflagen für das Masterstudium an die Universität.

Auch Blearta entscheidet sich nach der Schule für eine Berufslehre. Sie hat zunächst nicht vor, später zu studieren und entscheidet sich gegen eine erweiterte Grundausbildung mit der Berufsmaturität. Einige Jahre später ändert sie ihre Meinung. Sie holt die BM II nach und absolviert noch die Passerelle. Sie hat damit Zugang zum Studium an der Universität.

Obwohl ihre Bildungsbiografien nicht unterschiedlicher sein könnten, verlassen sie alle die Uni mit dem gleichen Diplom in der Tasche.

Das zweite Fazit zum schweizerischen System könnte also lauten: Es ist nie zu spät! Wenn man bedenkt, dass sich Jugendliche mit vierzehn Jahren bereits mit der Berufswahl beschäftigen müssen, ist das zentral. Das durchlässige System erhöht die Chancengleichheit, lässt auch Spätzünder nicht im Stich und ermöglicht die unglaublichsten und spannendsten Bildungsbiografien, die man sich vorstellen kann!

Die Autorin

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